Interview mit Alexandra Rettig vom Schmucklabel Evelynsdottir

In der für uns alle schwierigen Zeit möchte ich eine neue Blogserie starten. Ich stelle Euch in jeder Woche starke selbstständige Frauen vor, die ihr Geschäft mit viel Liebe aufgebaut haben und nun mit voller Kraft durch diese Zeiten steuern.Die Geschichten der Frauen sollen uns inspirieren, Freude bringen und Mut machen.


Den Anfang macht meine liebe Freundin Alexandra Rettig, die sich ein tolles Schmucklabel aufgebaut hat. Alex kenne ich schon lange und habe mit ihr gemeinsam schon einen Pop Up Store in meinem Atelier veranstaltet. Das hat so richtig viel Spass gemacht und ich hoffe, dass wir das bald wiederholen können.

Liebe Alex, bitte uns von Dir und Deinem Label. Wie bist Du auf die Idee gekommen, diesen zauberhaften Schmuck zu kreieren? 

Alex: Liebe Marlene, vorab möchte ich erwähnen, wie toll ich Deine Idee finde, uns die Möglichkeit zu geben, mal frei von der Leber weg zu erzählen, wie sich die Situation für uns tatsächlich darstellt.

An uns kleine Labels denkt kaum einer , tatsächlich selbst in der eigenen Familie wird das Ausmaß nicht oder wenig wahr genommen. Man darf nicht vergessen, wir befinden uns eigentlich mitten im Ostergeschäft und wie sich das gerade tatsächlich darstellt, könnte einen zum heulen bringen. Macht aber keine Sinn, denn weitermachen ist die Devise.

Das stimmt Alex, ich habe auch manchmal das Gefühl, aber wenn wir uns auf Instagram und Facebook umsehen, gibt es doch so einige Initiativen, die uns kleine Labels unterstützen. Gerade empfinde ich die sozialen Netzwerke als große Chance, uns zu zeigen und wahrgenommen zu werden.

Wie hast Du in den letzten 2 Wochen die Veränderungen gespürt?

Alex: Erst habe ich gedacht, es ändert sich nicht so viel. Ich glaube, dass wir alle zunächst das Ausmaß nicht wirklich erkennen konnten. Erst lief alles noch normal, Kunden kamen wie immer und/oder bestellten online.

Und dann plötzlich, nach ca. einer Woche brach das Geschäft komplett zusammen. Kunden sagten Termine ab, Bestellungen wurden storniert und der Verkauf über die Onlineshops sank plötzlich um 100 % auf Null. Ja klar, die meisten Menschen gehen zur Zeit nicht arbeiten oder sind auf Kurzarbeit oder kurz davor, haben Sorge um ihre berufliche und finanzielle Zukunft, wer weiß schon wie es weitergeht, wer kauft da schon Schmuck? Ein Luxusgut?

Ich plante in den letzten Monaten einen eigenen Ostermarkt auf meinen privaten Grundstück, ich hatte viele tolle Künstler zusammengetrommelt, insgesamt fast 20! Echte Frauenpower wäre das gewesen. Ich wollte es nicht wahrhaben aber ich musste den Markt absagen, nicht nur wegen des Drucks von außen, sondern auch aus eigener Vernunft. Alle Vorbereitungen, die Nerven, die Recherchen und Telefonate….alles umsonst, das war traurig! Der 28. März, der Tag an dem der Markt stattfinden sollte war der perfekte Frühlingstag voller Sonnenschein, so ist das Leben!

Marlene: Dass der Markt ausfallen musste, ist sehr schade. Auch ich habe mich sehr gefreut, auch, dass Du lokale Unternehmerinnen zusammen führen wolltest

Gibt es etwas, was Dich positiv durch diese Zeiten begleitet? Ein Netzwerk, wo man sich unterstützt und auch mal schnell anrufen kann? Ein Ritual, ein Rückzugsort?

Positiv begleitet mich derzeit meine Familie.

Alexandra Rettig

Alex: Positiv begleitet mich derzeit meine Familie. Mein Lebensgefährte, den ich im August heiraten wollte, ob die Hochzeit wie geplant stattfinden wird, wissen wir derzeit nicht. Wir ziehen uns jede Woche von Donnerstag bis Sonntag in unser Landhäuschen in Kloster Lehnin zurück, dort findet ein wenig Normalität statt – im Gegensatz zu der Großstadt Berlin – weil wir dort „draußen“ eh meist alleine mit unseren Hunden sind, merkt man kaum, dass etwas anders ist als sonst.

Ansonsten bin ich unglaublich viel in sozialen Netzwerken unterwegs, mache Werbung und nutze die Zeit, um mich vermehrt mit der Materie „social network“ auseinanderzusetzen, dort knüpfe ich gerade viele neue Kontakte, ja, siehe da, das geht wirklich! Aber auch die „alten Kontakte“ erlangen gerade eine ganz neue Qualität. Plötzlich wird nicht mehr schnell nebenbei „gewhatsappt“ sondern telefoniert, auch teilweise per Videotelefonie. Der Umgang ist anders, behutsamer und ehrlicher, habe ich den Eindruck und qualitativ hochwertiger. Die Menschen um mich herum, meist Selbständige wie ich, versuchen sich wirklich zu helfen und zu unterstützen. Jeder hat so seine Qualitäten, die er gern an den anderen weitergibt. Dafür bin ich gerade unendlich dankbar.


Hast Du in den letzten Wochen etwas Neues gewagt ? Hast Du mit Deinem Unternehmen neue Wege eingeschlagen?

Alex: Ich habe mir kürzlich einen eigenen Onlineshop zugelegt, den ich nun, da ich Zeit habe, intensiv bearbeite und bestücke. Wieder eine neue Materie, die viele neue Herausforderungen mit sich bringt, wie z.B., Datenschutz, AGB usw. selbstverantwortlich anzulegen, das ist schrecklich und kompliziert, ich weiß da genau wovon ich rede, ich bin selber schon abgemahnt worden und das ist teuer! Ich kann jedem nur raten sich abzusichern und sich einen IT-Fachanwalt zu nehmen. In der Angelegenheit sollte man nicht am falschen Ende sparen.

Aber ich freue mich auf meinen Shop.

Außerdem versuche ich gerade bei Instagram Virtuelle Märkte zu veranstalten, das will gut vorbereitet werden und ist auch nicht so einfach wie es hier gerade so klingt.

Marlene: Ja, das versuche ich auch und habe auch den Eindruck, die Menschen sind dort auch offenere und sensibilisiert für die Probleme der kleinen Labels.

Hast Du einen Tipp für alle, die gerade nicht wissen, wie es weitergehen soll?

Alex: Ich weiß, es ist schwierig sich aufzuraffen und anzufangen. Ich weiß, es gibt viele, die in einem Loch stecken und nicht herausfinden. Ich muss Euch nichts vormachen: nichts verkaufen oder den Laden schließen zu müssen ist das Schlimmste was passieren kann, nun ja, Insolvenz ist noch schlimmer. Aber! Den Kopf hängen lassen und sich mit ´ner Chipstüte frustriert vor Netflix zu hocken hilft nicht weiter. Weitermachen ist die Devise, voranschreiten und positiv in die Zukunft blicken. Heulen und traurig sein ist erlaubt und muss auch sein aber wir müssen da auch wieder raus kommen. Macht Werbung, macht auf Euch aufmerksam damit ihr nicht vergessen werdet. Denkt an die Zukunft, Werbung, die Ihr jetzt macht und positive Energie, die ihr jetzt habt wird Euch später, wenn alles wieder normal wird, zu Gute kommen!

Und vor Allem, sucht nie die Schuld bei Anderen, sondern akzeptiert die Situation wie sie ist und bleibt ganz bei Euch und in Euch.

Liebe Alex, vielen lieben Dank für das Interview und das Mut machen! Ich freue mich schon, wenn wir bald wieder einen echten Kaffee zusammen trinken gehen und uns herzlich umarmen können.

Hier findet Ihr den tollen Schmuck von Alex:

Amazon: 

amazon.de/handmade/evelynsdottir

Etsy: evelynsdottirBerlin

Instagram: @evelynsdottir

Pinterest: evelynsdottir

facebook: evelynsdottir – handgefertigter Schmuck aus Berlin

www.evelansdottir.de


Du möchtest auch ein Interview mit mir führen? Prima, dann schreib mir eine Email: hello@by-marlene.de

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